Verlustangst: Wieso quält uns dieses Gefühl?

Wenn wir so sehr lieben, dass uns das Herz schier aus der Brust springen will, dann mögen wir uns gar nicht vorstellen, den anderen jemals wieder zu verlieren. Doch manchmal ist sie dennoch da, die Verlustangst. Doch nicht nur in Beziehungen ist sie zu finden, sie kann auch andere Bereiche des Lebens betreffen wie den Beruf oder unsere aufgebaute Existenz. Woher kommt diese Verlustangst eigentlich? Und wie können wir sie am besten überwinden, wenn sie von uns Besitz ergriffen hat?

Verlustangst bekämpfen

Verlustangst: Wenn man den Partner nicht mehr loslässt

Schon der Dalai Lama fand die passenden Worte: „Die meisten unserer Probleme rühren von unserem leidenschaftlichen Verlangen, uns an etwas fest zu klammern, das wir fälschlicherweise als dauerhaft annehmen“. Liegt uns also jemand oder etwas besonders am Herzen, ist es wohl nur menschlich, dass wir daran festhalten wollen. Zumindest solange dies in einem gesunden Maß geschieht. Schließlich erlebt jeder von uns Zeit seines Lebens verschiedenartigste Verluste und die gilt es zu bewältigen. Denn vermeiden kann man sie leider nicht. Doch was passiert, wenn die Verlustangst über das gesunde Maß hinausgeht? Wenn Panik und nackte Angst uns erfassen, obwohl der Verlust noch gar nicht eingetreten ist? Krankhaftes Klammern an einen geliebten Menschen ist dann nicht selten die Folge dieser Angst. Doch dadurch wird die Beziehung auf ein höchstes Maß belastet und so kann die Angst vor dem Verlust im schlechtesten Fall tatsächlich zu einer Trennung führen.

Verlustangst in der Beziehung

In einer Beziehung tritt eine Verlustangst immer dann auf, wenn die Gefühle zum Partner besonders stark sind. Denn das, was wir lieben, wollen wir beschützen und behalten. Doch wer ständig von der Angst besessen ist, seinen Partner zu verlieren, der schadet nicht nur sich selbst. Findet er mich noch attraktiv? Genüge ich ihm? Bin ich das, was er sich immer vorgestellt hat? Je mehr man sich mit solchen Fragen beschäftigt, desto mehr zermürbt einen die Verlustangst. Selbstzweifel und Unsicherheit rufen dabei auch die Eifersucht auf den Plan. Man setzt sich in  Konkurrenz mit anderen und reagiert eifersüchtig auf sie. Dadurch klammert man sich an seinen Partner, ist häufig misstrauisch und engt ihn ein. Für den anderen Partner wird es durch diese Verlustängste immer schwieriger, die Beziehung aufrecht zu erhalten. Es entstehen neu geschaffene Probleme in der Partnerschaft, die es so vorher nicht gab und die das Zusammenleben deutlich erschweren. Im schlimmsten Fall jedoch führt die übertriebene Verlustangst dann tatsächlich zu einem Verlust und man hat genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich wollte.

Die Ursachen der Verlustangst

Die häufigste Ursache für starke Verlustängste ist ein wenig ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Solchen Menschen fehlt das Vertrauen in sich selbst wie auch in die Umwelt. In der Regel liegt der Grund dafür in der Kindheit. So dient die erste Bindung, die wir Menschen im Leben erlernen, also die zwischen Mutter und Kind, als Grundlage für unser späteres Leben, unsere Entwicklung und unsere sozialen Fähigkeiten. Kommt es zu Störungen in dieser so wichtigen ersten Bindung oder gar zu einem Fehlen dieser Erfahrung, dann manifestiert sich in der Regel eine Angst vor Nähe, Bindung und gar vor Abhängigkeit. Vielen fällt es im späteren Leben schwer, überhaupt Bindungen einzugehen und Vertrauen aufzubauen, da die Angst vor einem erneuten Verlust immer im Hinterkopf sitzt.

Verlustangst überwinden: Hilfreiche Tipps

Resultiert die Verlustangst aus Beziehungs- und Bindungsstörungen der frühen Kindheit, dann ist es ein langer und steiniger Weg, die Angst zu überwinden. Dazu ist meist eine Therapie und professionelle Hilfe nötig, damit man Vertrauen in sich selbst entwickeln kann und ein neues Selbstwertgefühl zu erlangen. Ist die Verlustangst nicht derart stark ausgeprägt, kann man sich selbst ein Ratgeber sein. So sollte man sich immer wieder vor Augen halten, dass Verlustängste nicht der Realität entsprechen und der Partner in Wirklichkeit zu einem steht. Vielmehr handelt es sich bei solchen Verlustängsten nur um Gedankengänge, die sich darum drehen, was in der Zukunft vielleicht noch alles passieren könnte. Natürlich kann es passieren, dass die Beziehung irgendwann scheitert und der Partner oder gar man selbst den Schlussstrich zieht. Doch was bringt es, im Moment des größten Glücks über solche Möglichkeiten nachzudenken!? Was man sich dagegen wirklich fragen sollte, ist doch vielmehr, wohin die Verlustangst einen bringt? Nützt sie? Nein, eher das Gegenteil ist der Fall, denn weder man selbst kann mit solchen Gedanken im Kopf das Glück genießen, noch macht es den Partner glücklich, wenn er eingeengt wird. Schöner und genussvoller ist es doch, das Glück einfach anzunehmen und sich täglich daran zu erfreuen.

Wer von Verlustangst geplagt ist, sollte sich überlegen, woher diese Angst rührt und sie mit allen Mittel zu überwinden versuchen. Denn nur so ist eine glückliche Beziehung und ein glückliches Leben möglich.